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November 13, 2004

Marc Cuban's exzellente Beschimpfung der Musikindustrie

Marc Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks und dot.com-Milliardär übt ein einem hervorragend argumentierten Artikel in seinem Blog harsche Kritik an die Musikindustrie für ihren völlig unverhaltnismässigem Umgang mit ihrer Kundschaft. Besonders gefallen hat mir, dass er dabei die immer mieser werdende Qualität der Musik (und der damit verbundene Wildwuchs an pathetischen Eintagsfliegen) gar nicht als Argumentarium nutzt.

Zusammengefasst schlägt Marc eine Art "Universalabo" vor. User könnten über ihre Provider "Channels" zu einem Pauschalpreis abonnieren. Innerhalb des Abos könnten sie frei über Downloads verfügen. Da eine Menge User bereit wären, monatliche Pauschalpreise für ihre Musik zu bezahlen, könnte die Musikindustrie auf diesem Wege enorme Einahmen einfahren.


Die Musikindustrie ist die einzige, die Produkte, Vertriebswege und Marketing (also alles) kürzt und dabei die Schuld für den Umsatzrückkgang auf alles andere als sich selbst schiebt.

Der "Piraterie-Sensenmann" klopft an jeder Tür. Dabei ist gar nicht erwiesen, dass P2P direkt am Umsatzrückgang beteiligt sind. Anders herum gibt es auch Studien, die P2P sogar als verkaufsfördernd einstufen.

Andere Unterhaltungsmedien verzeichnen ganz im Gegenteil Umsatzanstiege innerhalb des gleichen Zeitraums: Spiele, DVDs, VHS, sogar Hörbücher.

Bis jetzt nichts Neues, aber das führt zu den Argumenten:

1. Das Geld, das die RIAA [Recording Industry Association of America] für Lobbying sollte viel eher als Tantiemen oder in Marketing ausgegeben werden. Statt dessen wird eine Mauer errichtet, die Wachstum und Fortschritt hemmt.

2. Es ist ein Verbrechen, dass die Politiker auf das "bitte beschützt uns!" reingefallen sind.

3. Es gibt einfache Lösungen: lernt von den Kabel- und DSL-Providern. Geht dahin, wo die Leute jetzt schon Geld für den Zugang zu euren Produkten ausgeben. Und verlangt ein wenig mehr für den Kauf eurer Produkte.

In einer Kooperation mit den Providern könnte man den Zugang als eine Art Abo für bestimmte "Channels" anbieten, möglicherweise nach Genre eingeteilt. 20 Cents für "80er" klingt nicht schlecht. Oder 1$ pro Monat pro Kanal, Minimum 12 Monate. Dazu einen "Oldies" und "Hip-Hop"-Kanal. Man ist als Konsument eher dazu geneigt, 5 Kanäle im Monat, also 5$ verteilt über das Jahr als $60 einmalig für CDs auszugeben. Innerhalb des Abos könnte man soviel downloaden wie man lustig ist.

Seltsam, das die Industrie nicht von sich aus darauf kommt, geschweige denn implementiert. Rechenbeispiel: 200 mio. verkaufte Singles bedeuten 200 mio. $ Einnahmen für jedes Musikstück. 5 mio. Menschen mit Abos für 5 Kanälen sind 300 mio. $ kalkulierbare und stetige Einnahmen.

Aber der Markt ist viel Größer: Marc schätzt ihn auf 40 mio. Kunden. In einer Industrie, in der jährlich 800 mio. Alben verkauft werden mit Nettomargen von 1-3$ pro Album kann man das nicht einfach abtun.

Doch wenn da implementiert würde, hätte die Industrie nichts mehr zu tun als goldene Schallplatten auszuteilen und die Politiker würden eine Einnahmequelle verlieren.

Noch was zu Marc Cuban: sein Blog ist enorm interessant und als Lektüre sehr empfehlenswert. Auch wenn er manchmal ein wenig überheblich rüberkommt und man nicht mit Allem einverstanden sein muss bietet er einen ungefilterten Einblick darin, wie jemand in seinen Sphären tickt. Besonders gut gefallen haben mir die Artikel "Getting my attention" (wie kommt ihr an mein Geld?) und "Sweat Equity is the Best Equity"

Posted by Irakli at November 13, 2004 03:34 PM

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